Tag -Widerstandskämpferin

Zu 125 Jahre Rosa Jochmann: „Ihr Vermächtnis bleibt Auftrag für Demokratie, Solidarität und politische Bildung“

Am 19. Juli 2026 jährt sich der Geburtstag von Rosa Jochmann zum 125. Mal. Die SPÖ-Bundesbildungsorganisation nimmt dieses Jubiläum zum Anlass, um an ihr außergewöhnliches Leben zu erinnern. Prof. Dr. Gerhard Schmid, SPÖ-Bundesbildungsvorsitzender und Dritter Präsident des Wiener Landtages, und Wolfgang Markytan, SPÖ-Bundesbildungsgeschäftsführer, Mitglied des Bundesrates und Leiter der Wiener Parteischule, betonen dazu: „Wie kaum eine andere Frau steht Rosa Jochmann für Menschlichkeit, Demokratie und soziale Gerechtigkeit.“

Schmid würdigt Rosa Jochmann als eine Persönlichkeit von zeitloser Bedeutung: „Rosa Jochmann war weit mehr als eine herausragende Gewerkschafterin und Widerstandskämpferin. Sie war eine große Demokratin und eine außergewöhnliche Pädagogin. Ihr gesamtes Leben war eine Lehrstunde darüber, was Haltung bedeutet. Sie zeigte, dass politische Bildung nicht beim Wissen endet, sondern Verantwortung, Mut und Menschlichkeit verlangt. Gerade heute erinnert uns ihr Lebensweg daran, wie gefährlich es ist, wenn demokratische Institutionen geschwächt, gesellschaftlicher Zusammenhalt zerstört und Menschen gegeneinander ausgespielt werden. Demokratie beginnt nicht erst dort, wo sie verteidigt werden muss – sie muss jeden Tag gelebt werden“, so der SPÖ-Bundesbildungsvorsitzende.

Die SPÖ-Bundesbildungsorganisation verstehe politische Bildung als Auftrag, „demokratische Überzeugungen zu stärken, historisches Bewusstsein zu fördern und Menschen zu befähigen, unsere Gesellschaft aktiv mitzugestalten“, so Markytan. Rosa Jochmann sei dabei weit mehr als eine historische Persönlichkeit – „sie ist bis heute Maßstab für Haltung, Verantwortungsbewusstsein und Menschlichkeit“, so der SPÖ-Bundesbildungsgeschäftsführer, der in Rosa Jochmann ein dauerhaftes Vorbild für die politische Bildungsarbeit sieht: „Rosa Jochmann hat uns gezeigt, dass Demokratie niemals selbstverständlich ist. Sie muss gelernt, gelebt und verteidigt werden. Ihr Leben beweist, dass selbst größte persönliche Leiden einen Menschen nicht daran hindern müssen, Hoffnung zu geben und Verantwortung für andere zu übernehmen.“

Gerade deshalb sei es auch eine besondere Ehre, einen Lehrgang der Wiener Parteischule nach Rosa Jochmann benannt zu haben: „Damit erinnern wir nicht nur an ihr beeindruckendes Lebenswerk, sondern machen ihre Werte zum festen Bestandteil unserer politischen Bildungsarbeit“, so Markytan.

Abschließend betonen Schmid und Markytan: „Rosa Jochmann bleibt für uns weit mehr als eine historische Persönlichkeit. Sie ist ein Vorbild, das unsere politische Bildungsarbeit bis heute prägt. Deshalb tragen viele Objekte in unserer Heimat ihren Namen, Preise werden nach ihr benannt und regelmäßig vergeben. Ihr Leben erinnert uns daran, dass Demokratie Mut braucht, Solidarität gelebt werden muss und Menschlichkeit niemals verhandelbar ist. Gerade angesichts der Herausforderungen unserer Zeit stellen wir uns immer wieder die Frage: Was würde Rosa Jochmann heute sagen? Welche Haltung würde sie einnehmen? Diese Frage ist kein Blick zurück, sondern ein Auftrag für die Zukunft. Ihr Vermächtnis verpflichtet uns, Demokratie zu stärken, Institutionen zu schützen, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu fördern und jeder Form von Menschenfeindlichkeit entschieden entgegenzutreten. Rosa Jochmann bleibt Teil unserer Ausbildung, Teil unseres Selbstverständnisses und ein Kompass für kommende Generationen.“

Foto: Österreichische Lagergemeinschaft Ravensbrück & FreundInnen

Große Trauer um Käthe Sasso: „Wir verlieren eine unbeugsame Antifaschistin“

Die Sozialdemokratische Bildungsorganisation trauert um die Widerstandskämpferin und Zeitzeugin Käthe Sasso. „Einer der großartigsten Menschen unserer Zeit hat uns für immer verlassen. Die Widerstandskämpferin, KZ-Überlebende und Zeitzeugin Käthe Sasso ist in der vergangenen Nacht im 99. Lebensjahr von uns gegangen“, erklärt SPÖ-Bundesbildungsvorsitzender Prof. Dr. Gerhard Schmid, und hält fest: „Österreich verliert eine unbeugsame Antifaschistin, eine Patriotin im besten Sinne des Wortes und ich persönlich eine mütterliche, unglaublich liebenswerte Freundin. Ihr Werk muss für weitere Generationen fortgeführt werden, in der Verpflichtung gegenüber jenen, die für ein freies Österreich gestorben sind.“

Sasso habe unvorstellbares Leid erfahren, war in Nazi-Haft und sei nur auf Grund ihres jugendlichen Alters der Hinrichtung entkommen. „Sofort nach der Entlassung aus der Haft wurde sie in das Konzentrationslager Ravensbrück deportiert und hat dort gemeinsam mit Rosa Jochmann, wo immer sie nur konnte, ihre Menschlichkeit unter Beweis gestellt. Nach der Befreiung vom Terror des Nationalsozialismus hat Käthe Sasso ihr Leben der Aufklärung gewidmet. Als Zeitzeugin war sie unermüdlich in Schulen und mit der Jugend unterwegs“, erinnert Schmid. Dem Engagement von Käthe Sasso sei es zu verdanken, dass die Gruppe 40 am Wiener Zentralfriedhof, wo die Opfer der NS-Justiz verscharrt wurden, im Jahr 2013 zur Nationalen Gedenkstätte erhoben wurde.

„Bis zum letzten Augenblick hat Käthe Sasso dafür gekämpft, dass Demokratie und Rechtsstaatlichkeit ein unantastbares – das höchste – Gut sein müssen. Die Erinnerung an die durch das NS-Regime ermordeten Frauen und Männer muss heute Verpflichtung für uns alle sein, tagtäglich für die Demokratie einzutreten“, so der SPÖ-Bundesbildungsvorsitzende, der daran erinnert, dass Vertreter der SPÖ-Bundesbildung Käthe Sasso noch vor wenigen Tagen in Winzendorf zum 98. Geburtstag gratulierten und ihr für ihr Lebenswerk den Marie-Jahoda-Preis der SPÖ-Bundesbildung überreichten. „Wir werden Käthe stets ein würdiges Andenken bewahren und sie nicht vergessen“, unterstreicht Schmid.

 

Zweite Nationalratspräsidentin Doris Bures und Prof. Gerhard Schmid überreichen Marie-Jahoda-Preis an Prof.in Käthe Sasso

Kurz vor ihrem 98. Geburtstag, den sie am 18. März feierte, wurde Käthe Sasso der Marie-Jahoda-Preis für herausragende wissenschaftliche Erkenntnisse überreicht

Zeitzeugin Käthe Sasso hat am 16. März den Marie-Jahoda-Preis für herausragende wissenschaftliche Erkenntnisse und ihren Einsatz für historische Aufklärung von der Zweiten Nationalratspräsidentin Doris Bures, SPÖ-Bundesbildungsvorsitzendem Gerhard Schmid und SPÖ-Bundesbildungssekretär Wolfgang Markytan bei sich zu Hause überreicht bekommen. „Als österreichische Widerstandskämpferin trotzte Käthe Sasso schon als junge Frau dem Terror und der Gewalt der Nationalsozialisten. Bis heute kämpft sie gegen das Vergessen. Ihre antifaschistische Unbeugsamkeit und ihr tiefer Humanismus sind bis heute ein leuchtendes Beispiel und Vorbild“, betonte Doris Bures. „Käthe Sassos Lebenswerk ist ein inspirierendes Beispiel dafür, wie eine einzelne Person durch ihre Taten und ihre Stimme einen bedeutenden Beitrag zur Gestaltung einer besseren Welt leisten kann. Ihre Geschichte erinnert uns daran, dass die Vergangenheit nicht vergessen werden darf und dass wir alle die Verantwortung haben, uns gegen Ungerechtigkeit und Intoleranz zu stellen“, ergänzt Gerhard Schmid.

Käthe Sasso wurde 1926 in Wien geboren. Geprägt von ihren bereits im Widerstand gegen den Austrofaschismus aktiven Eltern, trat sie 1941 mit nur 15 Jahren der Widerstandsgruppe „Gustav Adolf Neustadl“ bei. 1942 wurde sie denunziert, verhaftet und von der Gestapo gefoltert. Als einzige aus ihrer Widerstandsgruppe entging sie der Hinrichtung und wurde 1944 ins KZ-Ravensbrück deportiert. Während eines Todesmarsches in den letzten Kriegswochen gelang ihr die Flucht. Nach dem Krieg engagierte sich Sasso in unterschiedlichen Funktionen für Bildung und Frauenrechte. Sie kämpfte unermüdlich für die Anerkennung der Widerstandskämpfer*innen der “Gruppe 40”, was 2015 in der Enthüllung einer Gedenktafel am Wiener Zentralfriedhof mündete. Für ihr Engagement auch als Zeitzeugin erhielt sie unter anderem das „Goldene Verdienstzeichen der Republik Österreich“ und wurde mit dem Professorinnen-Titel ausgezeichnet.

Der Marie-Jahoda-Preis wurde 2022 von der SPÖ-Bundesbildung, der Wiener SPÖ-Bildung und der Wiener Bildungsakademie ins Leben gerufen. Er ehrt Persönlichkeiten, die herausragende wissenschaftliche Erkenntnisse über das Wechselspiel von Arbeit und Gesellschaft erbringen. Benannt nach der österreichischen Sozialpsychologin Marie Jahoda zeichnet der Preis Menschen aus, die jenseits des neoliberalen Mainstreams den Wirtschaftsfaktor Arbeit in seinen sozialen und individualpsychologischen Funktionen betrachten, neue Antworten auf die Herausforderungen des digitalen Umbruchs in der Arbeitswelt finden und sich über die Welt der Wissenschaft hinaus aktiv in politische Debatten einbringen. Marie Jahoda selbst verkörperte diese Werte beispielhaft. Als eine der jüngsten Doktorinnen der Universität Wien verfasste sie den Haupttext der weltbekannten Studie “Die Arbeitslosen von Marienthal” und leistete somit Pionierarbeit in der Erforschung der Auswirkungen von Arbeitslosigkeit.