Tag -Unabhängigkeitserklärung Österreichs

81 Jahre Österreichische Unabhängigkeitserklärung: Erinnerung und Verantwortung

81 Jahre nach der Österreichischen Unabhängigkeitserklärung steht dieser Tag im Zeichen der Erinnerung an die Gräuel des Zweiten Weltkriegs und das Ende des nationalsozialistischen Unrechtsregimes. Die systematische Unterdrückung, Verfolgung und Vernichtung von Millionen Menschen mahnt bis heute, wohin Demokratiefeindlichkeit und Hass führen können. Gleichzeitig war es der verbindende „Geist der Lagerstraße“ – das solidarische Miteinander politisch Verfolgter in den Konzentrationslagern –, der den Grundstein für den Neubeginn legte und den Wiederaufbau eines freien, demokratischen Österreichs sowie die Zusammenarbeit über Parteigrenzen hinweg nachhaltig prägte. Professor Gerhard Schmid, Wiener Landtagspräsident und Vorsitzender der SPÖ-Bildung, hebt die historische Tragweite hervor: „Der 27. April 1945 markiert ein wichtiges Datum der österreichischen Geschichte. Im Roten Salon des Wiener Rathauses wurde von Vertretern der SPÖ, der neu gegründeten ÖVP und der KPÖ die Zweite Republik gegründet – eine Erfolgsgeschichte, geprägt von Identitätsfindung, wirtschaftlichem Aufschwung und dem Modell der Sozialpartnerschaft. Nach den furchtbarsten Verbrechen der Menschheitsgeschichte war klar, dass das Miteinander – trotz politischer Gegensätze – im Vordergrund stehen muss. Das war ein Grundprinzip der Zweiten Republik.“

Mit Blick auf die Gegenwart ergänzt Schmid: „Gerade angesichts internationaler Entwicklungen ist es entscheidend, für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit einzutreten und diese Werte zu verteidigen. Ebenso bleiben die Sicherung und Weiterentwicklung des Sozialstaates ein zentraler Auftrag. Die österreichische Sozialdemokratie stand von Beginn an auf der Seite von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit – und wird sich auch weiterhin für Frieden und diese Grundwerte, insbesondere im europäischen und internationalen Kontext, einsetzen.“

Im Rahmen der Gedenkveranstaltung am Wiener Heldenplatz wurde der Jahrestag feierlich begangen, begleitet von der Ehrenkompanie der Garde des Österreichischen Bundesheeres. Wolfgang Markytan, Mitglied des Bundesrates und SPÖ-Bundesbildungsgeschäftsführer, betont die persönliche und politische Dimension des Gedenkens: „Die heutige Gedenkveranstaltung der Regierungsspitze am Heldenplatz wurde in einem würdigen Rahmen begangen, begleitet von der Ehrenkompanie der Garde. Für mich als ehemaliger Gardist – ebenso wie für meinen Sohn – ist es ein besonderes Gefühl, nun auch als Mitglied des österreichischen Parlaments dazu beitragen zu können, dass unser unabhängiges Österreich bestehen bleibt. Unser gemeinsames Ziel muss es sein, dass Krieg, Hass und Zerstörung auf unserem Boden niemals wieder die Oberhand gewinnen.“

Abschließend unterstreicht Markytan die internationale Verantwortung: „Diese Haltung endet nicht an den Landesgrenzen – es liegt an uns, diese Werte auch international zu stärken und zu unterstützen.“ Die Unabhängigkeitserklärung von 1945 bleibt damit nicht nur ein historisches Ereignis, sondern ein fortwährender Auftrag, Demokratie, Frieden und soziale Sicherheit aktiv zu sichern und weiterzuentwickeln.

Foto: privat

Gerhard Schmid – Gedanken zur Unabhängigkeitserklärung Österreichs vom 27. April 1945

Die Unabhängigkeitserklärung Österreichs vom 27. April 1945 stellt einen wichtigen Meilenstein zur Unabhängigkeit Nachkriegs-Österreichs und die Grundlage eines neuen, demokratischen Österreich dar. Hier Gedanken von SPÖ-Bundesbildungsvorsitzendem, LAbg. Gerhard Schmid zu diesem denkwürdigen Datum:

Als in Teilen Wiens noch Krieg geführt wurde (Panzergefecht in Floridsdorf z.B) und die Kapitulation der deutschen Wehrmacht noch nicht absehbar war, haben sich im Roten Salon des Wiener Rathauses österreichische Patrioten der Sozialdemokratie, der früheren christlich-sozialen Partei und der Kommunisten, also die erbitterten Gegner der Ersten Republik zusammengefunden und die Unabhängigkeitserklärung als Grundlage des neuen und freien und demokratischen Österreichs erarbeitet und am 27.4.1945 unterfertigt ( veröffentlicht am 29.4.1945). In diesen Tagen war auch klar, dass diese Zweite Republik nur funktionieren kann wenn es möglich ist, die Gräben der Ersten Republik zu überwinden und für Demokratie, Rechtsstaatlichkeit den Sozial-und Wohlfahrtsstaat einzutreten, das heißt das Gemeinsame über das Trennende zu stellen. Mit der Gründung der weltweit beispiellosen und erfolgreichen Österreichischen Sozialpartnerschaft wurde dieses Fundament der Prosperität gelegt.

Die Sozialdemokratie ist von der ersten Stunde an mit großer Verantwortung ans Werk gegangen. Vergessen wir nicht die großen Männer dieser Zeit wie Karl Renner, Theodor Körner, Karl Seitz, Adolf Schärf u.v.a.m. Vergessen wir aber auch nicht die großen Frauen, die dieses Aufbauwerk der 2. Republik getragen haben, vor allem möchte ich an die große Rosa Jochmann erinnern, die in diesen Tagen im April 1945 die Befreiung im Konzentrationslager Ravensbrück erlebt hat.