Tag -Erinnerungskultur

2. Prof.in Käthe-Sasso-Symposium 2026: Gemeinsam für Demokratie, Erinnerung und Zivilcourage

2024 wurde knapp nach ihrem Ableben das Käthe-Sasso-Symposium im Auftrag des Wiener Bürgermeisters Dr. Michael Ludwig ins Leben gerufen, um im Sinne der Widerstandskämpferin Käthe Sasso zu wirken. Ziel ist es, über Parteigrenzen hinweg unterschiedliche Perspektiven einzubinden und zentrale gesellschaftliche Fragen gemeinsam zu diskutieren. Die erste Ausgabe fand im Stadtsenatssitzungssaal des Wiener Rathauses statt, die zweite Ausgabe wurde an ihrem 100. Geburtstag am 18. März in der Volkshochschule Favoriten abgehalten.

Eröffnung im Zeichen von Geschichte und Verantwortung

Wolfgang Markytan, SPÖ-Bundesbildungsgeschäftsführer, brachte bei der Eröffnung der Veranstaltung das Leitmotiv auf den Punkt: „Die Menschen zum Denken zu bringen, zum Sehen und Hören zu bringen, das ist unsere Aufgabe.“ Dieses Zitat von Rosa Jochmann unterstreicht den Anspruch der Bildungsarbeit. Zugleich betonte er die Notwendigkeit, sich immer wieder die Frage nach dem „Warum“ zu stellen.

Vizebürgermeisterin Kathrin Gaal eröffnete das Symposium mit einem Blick auf Favoriten als traditionsreichen Bezirk der Arbeiter:innenbewegung. Sie erinnerte an die Geschichte des Roten Wien und hob insbesondere die Errungenschaften im Wohnbau hervor. Gleichzeitig warnte sie vor aktuellen demokratiepolitischen Herausforderungen wie wachsendem Antisemitismus und rechtsextremen Ideologien. Käthe Sasso würdigte sie als prägende Persönlichkeit der Erinnerungskultur, deren Vermächtnis heute weitergetragen werden müsse. „Umso wichtiger sind klare Haltung, Wachsamkeit und Widerstand“, so Gaal.

Auch Dr. Sascha Obrecht, Abgeordneter zum Wiener Landtag und Direktor des Karl-Renner-Instituts, betonte die Bedeutung des Symposiums als Ort des Lernens und der Weitergabe von Werten. Käthe Sasso stehe für Mut, Widerstand und Menschlichkeit unter extremsten Bedingungen. Zugleich verwies er auf die Verantwortung politischer Bildung: Geschichte müsse nicht nur erinnert, sondern auch verstanden werden, um daraus Handlungsfähigkeit für die Gegenwart abzuleiten. „Geschichte ist nichts Abgeschlossenes – sie stellt uns immer wieder vor die Frage, wie wir heute handeln“, so Obrecht.

Erinnerung, Zivilcourage und Demokratie im Fokus

Petra Bayr, Präsidentin der Parlamentarischen Versammlung des Europarates und Präsidentin des Kuratoriums der Wiener Bildungsakademie, unterstrich die Aktualität der drei zentralen Themen des Symposiums: Erinnerungskultur, Zivilcourage und Demokratie. Sie hob hervor, wie wichtig es sei, die Erfahrungen von Zeitzeug:innen so zu vermitteln, dass sie für kommende Generationen verständlich und erlebbar bleiben. Gleichzeitig stellte sie die Frage nach neuen Formen von Zivilcourage – insbesondere angesichts von Hass im digitalen Raum – sowie nach Antworten auf Desinformation und hybride Bedrohungen. „Die Frage ist, wie wir Erinnerung, Zivilcourage und Demokratie heute konkret weitertragen und verteidigen“, so Bayr.

Käthe Sasso im historischen Kontext

In der Gesprächsrunde „Wer war Käthe Sasso?“ zeichneten Brigitte Fenko, ORF-Mitarbeiterin a.D. und langjährige Lebensfreundin von Käthe Sasso, sowie Dr.in Karin Moser, Medienhistorikerin und stellvertretende Direktorin der Wiener Bildungsakademie, ein eindrucksvolles Bild der Nachkriegszeit. Sie zeigten, wie die anfängliche Entnazifizierung rasch in den Hintergrund trat und der sogenannte Opfermythos zur Verdrängung beitrug. Überlebende wurden häufig marginalisiert und zum Schweigen gedrängt. Käthe Sasso hingegen blieb standhaft, berichtete öffentlich und setzte sich unermüdlich für Aufklärung ein. „Erinnerung war lange von Verdrängung geprägt – und Zivilcourage bedeutete oft, überhaupt gehört zu werden.“

Erinnerung als demokratischer Prozess

Mag.a Nina Abrahamczik, Abgeordnete zum Wiener Landtag und Vorsitzende des Gemeinderatsausschusses u.a. für Demokratie, sowie Nikolaus Kunrath, Bezirksrat und ehemaliger Landtagsabgeordneter, widmeten sich den „Herausforderungen der Erinnerungskultur“. Dabei wurde deutlich, dass Erinnerung kein statischer Zustand ist, sondern ein aktiver gesellschaftlicher Prozess. Besonders wichtig sei es, auch bisher wenig sichtbare Opfergruppen einzubeziehen und gesellschaftliche Aushandlungsprozesse zu fördern. „Erinnerungskultur ist kein abgeschlossener Zustand, sondern ein aktiver, gesellschaftlicher Prozess.“

Zivilcourage als Auftrag

Christa Bauer, MAS, Geschäftsführerin des Mauthausen Komitees Österreich, sowie Mag.a Marie Lercher, Teilnehmerin des Käthe-Sasso-Lehrgangs, betonten die zentrale Rolle von Zivilcourage als Vermächtnis der Überlebenden und als Auftrag für die Gegenwart. Bildungsarbeit, Engagement und persönliches Handeln seien entscheidend, um demokratische Werte zu sichern – insbesondere angesichts zunehmender rechtsextremer Vorfälle. „Es liegt an uns allen, Zivilcourage zu zeigen und Verantwortung für die Demokratie zu übernehmen.“

Grußworte und internationale Perspektive

In einer Videobotschaft würdigte die Salzburger Landeshauptfrau Mag.a Karoline Edtstadler Käthe Sasso als außergewöhnliche Persönlichkeit, die sie auch persönlich kennenlernen durfte. Sie hob deren Mut und Menschlichkeit hervor und unterstrich die Verantwortung, dieses Vermächtnis in herausfordernden Zeiten weiterzutragen: „Es ist unsere Aufgabe, ihr Vermächtnis weiterzutragen und für Menschlichkeit und Demokratie einzustehen.“

Demokratie unter Druck – neue Herausforderungen

In der abschließenden Gesprächsrunde diskutierten der ehemalige Chefredakteur Dr. Herbert Lackner sowie der SPÖ-Bundesbildungsvorsitzende und Dritte Wiener Landtagspräsident Prof. Dr. Gerhard Schmid über aktuelle Gefährdungen der Demokratie. Lackner verwies auf politische Entwicklungen sowie den zunehmenden Einfluss wirtschaftlicher Macht auf Medien und Politik. Schmid ergänzte, dass Demokratie kein Selbstläufer sei, sondern aktiv gestaltet werden müsse: „Demokratie muss ständig in Bewegung gehalten und aktiv verteidigt werden.“

Darüber hinaus warnte Schmid vor einer neuen strukturellen Gefahr: einer Verbindung von wirtschaftlicher Macht und politischem Einfluss, die er als „eine Art oligarchischer Kapitalismus“ beschreibt. Dieser stelle eine „extreme Bedrohung der Demokratie“ dar. Als zentrale Antwort forderte er verstärkte Bildungsarbeit sowie einen breiten gesellschaftlichen Schulterschluss: „Wir müssen in Bildung investieren“ und „einen Schulterschluss aller weltoffenen, liberalen und humanistischen Kräfte herbeiführen.“ Orientierung biete dabei das Vermächtnis Käthe Sassos – „Zivilcourage und Hartnäckigkeit“ als Auftrag, „dranzubleiben und sich am Ende durchzusetzen“.

Gemeinsamer Auftrag für die Zukunft

Das Symposium machte deutlich: Erinnerung, Zivilcourage und Demokratie sind untrennbar miteinander verbunden. In einer Zeit wachsender Herausforderungen braucht es Engagement, Bildung und Zusammenhalt. Käthe Sasso bleibt dabei eine zentrale Orientierung – als Mahnerin, als Vorbild und als Auftrag für kommende Generationen.

Abschließend wurde zum weiteren Austausch eingeladen.

Ein besonderer Dank gilt den Mitwirkenden und Partnerorganisationen – darunter die SPÖ-Bildung, die Wiener SPÖ-Bildung, das Karl-Renner-Institut und die Wiener Bildungsakademie – und allen Unterstützer:innen hinter den Kulissen sowie Kurt Brazda, der seinen Film im Auftrag des WIFAR umgesetzt hat: https://www.film.at/erschlagt-mich-ich-verrate-nichts-kaethe-s

Alle Fotos: Christian Bader: https://www.flickr.com/photos/196943159@N03/albums/72177720332607671

Rudi Gelbard war Mahner wider das Vergessen

Der am 24. Oktober 2018 verstorbene österreichische Antifaschist, Zeitzeuge und KZ-Überlebende Rudolf Gelbard hätte am 4. Dezember seinen Geburtstag gefeiert. Die SPÖ-Bundesbildungsorganisation hat aus diesem Anlass dem unvergesslichen Rudolf Gelbard gedacht. SPÖ-Bundesbildungsvorsitzender Gerhard Schmid betonte: „Rudi Gelbard war ein wichtiger Mitstreiter der SPÖ-Bundesbildungsorganisation. Als aktiver Zeitzeuge hat er seine Erfahrungen und sein Wissen an Schulen in ganz Österreich vermittelt. Rudi Gelbard hat als unermüdlicher Mahner wider das Vergessen Unschätzbares für die so wichtige Erinnerungskultur geleistet“, so Schmid.

Im Gedenken an Rudolf Gelbard hat die SPÖ-Bundesbildungsorganisation das  ‚Prof. Rudolf Gelbard-Symposium‘ ins Leben gerufen, um seine Ideen und Ideale weiterleben und weiterdiskutieren zu können. Am 9. Mai 2022 fand das 1. Prof. Rudolf-Gelbard-Symposium unter dem Titel “Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. Ein Kampf, der nie zu Ende geht” statt‚ und am 29. Jänner 2024 das 2. Prof. Rudolf Gelbard Symposium unter dem Motto “Dialog der Religionen”.

 

SPÖ – Schmid und Markytan zum Ableben von Heidemarie Uhl

„Heidemarie Uhl war eine Zeithistorikerin, die große Leistungen bei der Erinnerungskultur und der zeitgemäßen Denkmalpflege erbracht hat. Mit ihrer kritischen und zugleich weltoffenen Sicht hat sie Herausragendes zur Aufarbeitung unserer Geschichte geleistet“, sagt der Vorsitzende der SPÖ-Bundesbildungsorganisation, LAbg. Gerhard Schmid, tief betroffen vom Ableben der renommierten Zeithistorikerin Heidemarie Uhl.

SPÖ-Bundesbildungsgeschäftsführer Wolfgang Markytan betont: „Uhl war eine Inspiration für viele nachkommende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Sie beachtete auch immer die europäische Ebene bei nationalen Entwicklungen der Gedenkkultur. Ihr Interesse richtete sich auf die militärischen und zivilen Opfer des Krieges, ungeachtet ihrer nationalen Zugehörigkeit. Nicht Herrscher, Feldherren und Kriegshelden, sondern ‚ordinary men‘ wurden in privaten Bildern, Tagebüchern, Briefen und anderen autobiographischen Dokumenten präsentiert.“

Foto: IKT Stefan Csáki

Persönlicher Nachruf auf Prof. Rudolf Gelbard

SPÖ Hietzing-Vorsitzender, Gemeinderat Prof. Gerhard Schmid zum Ableben von Professor Rudolf Gelbard (1930-2018):

In tiefer Trauer stehen wir vor der unvermeidlichen Tatsache, dass unser Freund Rudi Gelbard heute von uns gegangen ist. Rudi hat als eines von wenigen Kindern das KZ Theresienstadt überlebt und nach 1945 weitere persönliche Schicksalsschläge hinnehmen müssen. Er hat sein Leben der Aufklärung und Mahnung gewidmet. Unermüdlich und mit einem jahrzehntelang unvorstellbaren Einsatz, bis zuletzt! Rudi war ein großer Humanist, der sich dem Gedanken der Toleranz gewidmet hat! Seine Analysen waren klar, sein antifaschistischer Kampf stets entschlossen! Ein Intellektueller im besten Sinne des Wortes, der auch Bildung von seinem Gegenüber eingefordert hat. Wie ein Journalist einmal richtig sagte:“Er war die Zentralfigur der österreichischen Erinnerungskultur“! Ich verliere einen treuen, zuverlässigen und liebenswürdigen, aber auch strengen Freund, der sein Gegenüber immer gefordert hat. Ich schätze mich glücklich, dass dieser großartige Mensch und Freund mein Leben bereichert hat! Genau das waren auch in Dankbarkeit die Gedanken, die heute Nacht im Mittelpunkt standen als ich mich gemeinsam mit dem Wiener Bürgermeister im Spital von Rudi verabschieden durfte! Unsere Gedanken gehören jetzt seiner lieben Gattin Ingeborg, die mit ganzer Kraft und beispielloser Aufopferung an seiner Seite stand! Ruhe in Frieden lieber Rudi du wirst immer bei uns sein!